Bänz Friedli, Hausmann und Autor einer Kolumne der Migros-Zeitung, die ich wöchentlich gerne lese, hat mich heute zutiefst enttäuscht. Schreibt er doch heute über Staub im Kinderzimmer und wie sein Sohn im Befehlston mit ihm umgeht "Vati, könntest du nicht wieder mal staubsaugen?" Als er dies SOFORT! erledigt habe weil die Bemerkung sein schwärzestes Gewissen getroffen habe (ich stutzte zum ersten Mal) kam als Kommentar: "Vatiiii! Du hast ein Teilchen eingesaugt!" (Was hat den dieser Rotz für einen Umgangston?). Darauf sinniert der Hausmann doch tatsächlich, dass er vielleicht doch besser ein Socke über die Mündungen hätte stülpen sollen! (An dieser Stelle blieb mir völlig die Spucke weg...)
Unsere Kinder müssen ihre Zimmer selber aufräumen. Klar helfe ich ihnen wenn nötig und es kam auch schon vor, dass ich es halt schnell selber machte, weil es schneller und gründlicher geht, aber nie würde ich mir von meinen Kinder so auf der Nase rumtanzen lassen. Ich habe manchmal den Eindruck die Kinder werden zu stark verwöhnt. Manche Kinder werden bei Regen zur Schule gefahren, bekommen die gewünschten Markenkleider, die Mamis kaufen ihnen den gewünschten Lippenstift, nur damit das Gör zu hause dann motzen kann, es sei nicht der richtige und Mami rennt wieder in den nächsten Laden. HALLO? Unsere Kinder fahren bei jedem Wetter mit dem Fahrrad zur Schule (es braucht nur gute Regenkleider), die Kleider kaufen wir in den günstigen Läden, im Ausverkauf oder in der Kinderkleiderbörse, kleine Extras sparen sich die Kinder selber zusammen. Bin ich deshalb eine Rabenmutter? Heute Nachmittag hatte ich mit Töchterchen wieder mal eine dieser endlosen Diskussionen betreffend eigenem Laptop mit Internetzugang im Kinderzimmer, Facebook-Account, eigenes Handy (wenn möglich eines mit dem kleinen i) etc., etc. Es ist immer die gleiche Leier. Und leider, leider ist es tatsächlich so, dass gewisse Eltern ihren Elfjährigen dies alles bieten und erlauben. Mein Mann und ich sind da anderer Meinung: Unsere Tochter darf meinen Laptop im Büro benutzen, wo wir jederzeit mal einen Kontrollblick machen können, wir haben ein "Familienhandy", das sie benützen darf wenn sie mal weg ist (dazu zählen Schule und wöchentliche Hobbys nicht), für Facebook ist sie meiner Meinung nach mit elf noch zu jung. Es denken nicht alle Eltern so, ich wurde auf Facebook aufmerksam, weil mich vor drei Jahren eines meiner vierjährigen Spielgruppenkinder gefragt hat, ob ich auch auf Facebook sei, sie sei auch da drauf... Einige Schulkameraden von Töchterchen haben den besagten eigenen Laptop im Zimmer, mit unbeschränktem Internetzugang, spielen immer und überall mit ihren Handys, sind auf Facebook anzutreffen, kriegen für drei Sechser in der Schule (zur Info für alle Nicht-Schweizer: die Sechs ist in bei uns die beste Note) mal nebenbei einen iPad geschenkt. Die Liste ist endlos und macht sprachlos. Wir haben keine Vergleichsmöglichkeit mit unserer Jugendzeit, wir hatten all diese Geräte und neuen Medien nicht. Wir müssen einfach unser Gefühl und den gesunden Menschenverstand walten lassen. Ich versuche Töchterchen immer und immer wieder unsere Haltung zu erklären. Dass ich es nicht gut finde, wenn wir ihr all diese Herzenswünsche erfüllen und ihr alle Steine aus dem Weg räumen (oder den Staub aus dem Zimmer...). Für sie ist das halt manchmal schwer zu begreifen... sie sieht halt, was die anderen haben, kann nicht mitreden und die anderen Eltern seien ja auch nicht so, so, so streng. Sind wir zu streng?